Cashflow & Liquidität

Cashflow-Prognose erstellen: Die 5-Schritt-Methode

Die meisten Unternehmer wissen, was gestern auf dem Konto war. Wer wirklich Kontrolle hat, weiß, was in acht Wochen auf dem Konto sein wird. Eine Cashflow-Prognose ist kein Luxus für Konzerne – sie ist das wichtigste Steuerungsinstrument für jedes inhabergeführte Unternehmen. Hier ist eine Methode, die funktioniert, ohne einen halben Tag zu verbrauchen.

Warum du eine Cashflow-Prognose brauchst

Ohne Prognose reagierst du. Mit Prognose agierst du. Der Unterschied: Wer einen Liquiditätsengpass acht Wochen vorher sieht, hat Optionen. Er kann Zahlungsziele verhandeln, eine Kreditlinie aktivieren, Ausgaben verschieben oder Forderungen beschleunigen. Wer den Engpass erst sieht, wenn er da ist, hat keine Optionen mehr.

Schritt 1: Geldeingangs-Forecast aufbauen

Beginne mit dem, was reinkommen wird. Die drei Quellen:

  • Offene Forderungen: Welche Rechnungen sind noch offen, und wann werden sie voraussichtlich bezahlt? Trage jeden Betrag in die Woche ein, in der du den Eingang erwartest – nicht in die Woche, in der die Rechnung fällig ist. Sei realistisch, nicht optimistisch.
  • Wiederkehrende Umsätze: Abonnements, Wartungsverträge, Retainer – feste Eingänge, die verlässlich kommen. Diese kannst du direkt in den Kalender eintragen.
  • Geplante neue Aufträge: Was ist in der Pipeline? Mit welcher Wahrscheinlichkeit und in welchem Zeitraum? Arbeite mit gewichteten Wahrscheinlichkeiten: Ein Auftrag mit 80% Abschlusswahrscheinlichkeit geht mit 80% seines Werts in die Prognose ein.

Schritt 2: Auszahlungs-Plan erstellen

Jetzt die Ausgaben. Unterteile sie in drei Kategorien:

  • Fixe, wiederkehrende Ausgaben: Miete, Gehälter, Versicherungen, Leasingraten, Software-Abos. Trage diese in den Kalender ein – sie sind vorhersehbar.
  • Variable Ausgaben: Material, Dienstleister, Werbung – abhängig vom Auftragsvolumen. Schätze diese auf Basis deiner geplanten Umsätze.
  • Einmalige oder saisonale Ausgaben: Jahresbeiträge, Steuernachzahlungen, geplante Investitionen. Diese vergisst fast jeder. Schaue in deinen Kalender der letzten zwei Jahre: Was kam immer wieder zu bestimmten Zeitpunkten?

Schritt 3: Wöchentliche Netto-Cashflow-Berechnung

Jetzt rechnest du pro Woche:

Anfangsbestand + Einnahmen – Ausgaben = Endbestand

Der Endbestand einer Woche ist der Anfangsbestand der nächsten. So siehst du sofort, in welchen Wochen dein Kontostand unter eine kritische Grenze fällt. Definiere diese Grenze vorher: Was ist dein Mindest-Puffer? Für die meisten Unternehmen sollte das mindestens vier Wochen Fixkosten entsprechen.

Schritt 4: Szenarien durchspielen

Eine Prognose ist keine Prophezeiung – sie ist ein Werkzeug. Spiele drei Szenarien durch:

  • Basis-Szenario: Alles läuft wie geplant
  • Negativ-Szenario: Dein größter Kunde zahlt 30 Tage später als vereinbart, und zwei geplante Aufträge kommen nicht
  • Positiv-Szenario: Alle Aufträge in der Pipeline schließen ab

Wenn du im Negativ-Szenario einen Engpass siehst: Das ist dein Handlungsauftrag. Nicht warten, jetzt handeln.

Schritt 5: Wöchentlich aktualisieren – in 15 Minuten

Die Prognose verliert ihren Wert, wenn sie veraltet. Das Geheimnis: Sie muss nicht perfekt sein, nur aktuell. Jeden Montag, 15 Minuten:

  • Tatsächliche Eingänge der Vorwoche eintragen
  • Tatsächliche Ausgaben der Vorwoche eintragen
  • Neue Aufträge/Forderungen ergänzen
  • Prognose für die nächsten 8 Wochen anpassen

Nach drei bis vier Wochen entwickelst du ein Gespür dafür, wo deine Prognosen systematisch zu optimistisch oder zu pessimistisch sind. Justiere entsprechend.

Das richtige Werkzeug

Fang mit Excel oder Google Sheets an. Eine einfache Tabelle mit Wochen als Spalten und Einnahmen-/Ausgabenkategorien als Zeilen reicht vollkommen. Wichtiger als das Werkzeug ist die Disziplin, es wöchentlich zu aktualisieren.

Wenn du das System 90 Tage konsequent durchhältst, wirst du nie wieder von einer Liquiditätskrise überrascht werden. Du siehst Probleme kommen – und kannst sie lösen, bevor sie Schaden anrichten.

Eine Cashflow-Prognose ist kein Reporting-Instrument. Sie ist ein Frühwarnsystem. Der einzige Zweck ist, dir genug Zeit zu verschaffen, um auf Probleme zu reagieren.

Starte diese Woche. Nicht nächsten Monat. Öffne eine leere Tabelle, trage deinen heutigen Kontostand ein, und fülle die nächsten acht Wochen mit dem, was du weißt. Lücken lassen sich füllen – aber erst musst du anfangen.